Der König hält den Geist auf Trab

IMG_9600In der Wriezener Straße gibt es seit 2009 eine Schachschule für Anfänger und Fortgeschrittene.

Die Eröffnung seines Tages sei eine Schachtaktikübung am Computer, sagt Harald Fietz, das sei wie Frühsport am offenen Fenster. Der 54-Jährige sitzt an einem der beiden langen Tische in der „Schach Kultur Wedding“, der Schachschule im Soldiner Kiez. Der Schachjournalist nutzte im Jahr 2009 die Gunst der Stunde und entschied sich für das Ladenlokal in der Wriezener Straße 35, zusammen mit Partnerin Swantje Munser. „SCHACHSCHULE“ verkündet das Schild an der Wand des Hauses, darauf auch das Logo, blauer König und rote Dame.

In dem hellen Raum mit großem Fenster wird seither Schach für Jung und Alt gelehrt. Senioren wie Kinder nehmen am breitgefächerten Kursangebot teil. Bevor der erste Schachzug beginnt, gibt es zunächst ein Vorgespräch, in dem die Kenntnisse eingeordnet werden. „Blutige Anfänger“ werden in den monatlichen Abendkursen à 3 Stunden ebenso bedacht wie Fortgeschrittene, die sich zu speziellen Themen einfinden, darunter „Grundlagen des Endspiels“. Spieler, die sich abends unter der Woche zu matt fühlen, können auch Samstagskurse besuchen. Jetzt, nach der Sommerpause, geht es im September wieder los.

Fietz und Munser betonen den vielfältigen Einfluss des Schachspiels auf soziale Kompetenzen wie auch auf geistige. „Das Gehirn wird rundherum beansprucht, strukturelles Denken wird gefördert, aber auch Konzentration und Geduld“, fasst Munser zusammen. „Viele unserer Teilnehmer höheren Alters kommen genau aus diesen Gründen zu uns – sie suchen eine Beschäftigung, die den Geist auf Trab hält. Das tut zwar auch ein Kreuzworträtsel, doch zusammen mit anderen Menschen ein Hobby zu pflegen, ist nicht nur schön, sondern auch wichtig“, sind sich beide Schachlehrer einig. Sehr junge Schachkünstler legen beim Erlernen und Spielen auf den 64 quadratischen Feldern einen Grundstein für Spaß an Mathematik, aber auch für Fairness und Höflichkeit – vor und nach einer Partie geben sich die Spieler die Hand.

Das Lehren ist die eine Seite des Brettes, das aktive Spielen die andere. In der NachbarschaftsEtage der Fabrik in der Osloer Straße 12 findet sich dienstags ab 19 Uhr der Schachklub International 2010 e. V. in der vierten Etage ein. „Wir haben den Klub bewusst ‚International‘ genannt, acht Nationen sind mit den 25 Mitgliedern im Klub bereits vertreten“, freut sich Fietz. Schule und Klub vereinen Generationen in allen Variationen von den Grundzügen „Wie bewegt sich ein Springer“ bis zu einem galanten „Schachmatt“.

Schachschule Schach Kultur Wedding, Wriezener Straße 35, Informationen im Internet unter http://www.wissen-im-wedding.de

Ein wichtiger Termin für Schachliebhaber ist das Schachfest am 19. September, zu dem passionierte Spieler und Interessierte in die NachbarschaftsEtage in der Osloer Straße 12 eingeladen sind: ab 15 Uhr Kinder, ab 19 Uhr dann Erwachsene.

Text: Simone Lindow, Foto: Benjamin Renter

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