Vom Reden und vom Schweigen

sprache_bearbWas ist Sprache eigentlich? Wenn wir reden, fangen wir an zu denken. Aber nicht immer – oder vielleicht doch? Sprache dient der Verständigung, der Übergabe von Mitteilungen jedweder Art. Dabei kann es um Informationen über Personen oder Dinge, aber auch um die der Übergabe von Liebesbotschaften gehen.


Was das Gefühl nicht kann, das kann die Sprache. Aber nicht immer ist das so. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, verstummen wir, sagen einfach nichts mehr. Da können noch so viele Leute um uns herum sein. Wir bestimmen selbst, wann wir was sagen. Wenn wir uns entscheiden, Sprache zu benutzen, sollte immer eine gewisse Freundlichkeit und Sachbezogenheit mit im Spiel sein. Um das zu erreichen, sollte man drei Fragen nicht vergessen: Worum geht es? Wieviele Leute sind da? Wie bringe ich mich ein?

Sprache dient auch dazu, zu verwirren, die Dinge komplizierter zu machen, als sie sind. Wenn das droht, ist es tatsächlich besser, sich mit aller Freundlichkeit aus der Affäre zu ziehen: Ach, ich hab noch was vor. Oh, mein Schuh ist offen. Ich muss los. Nicht immer können wir Rede und Antwort stehen. Manchmal sind wir in einer Situation, die wir nicht rechtfertigen können, weil wir es so nicht wollten. Dennoch müssen wir Verantwortung übernehmen. Aber wir haben auch Rechte! Einfach abhauen, verschwinden und am besten nie wieder auftauchen, erst bei grünem Licht oder wenn es wieder passt.

Verständigung in der Sprache dient auch dazu, sich ab- oder anzumelden. Was wären wir zum Beispiel ohne Sprache auf dem Arbeitsamt? Wir könnten nur noch stumm vor unserem Berater sitzen. Vielleicht noch die Bewerbungen der letzten  drei Tage herausholen, vielleicht ein neues Jobangebot liefern. Ich arbeite jetzt für … ja, wofür eigentlich? Wieder habe ich mich nicht gekümmert, aber das ist einzig und alleine mein Versäumnis: Ich muss also was tun.

Ich hätte noch sagen können, dass ich für den Pankeputz arbeite. Aber das möchte ich nicht sagen. Ich will es für mich behalten, denn ich möchte etwas allein für mich tun. Wieder ist die Sprache zum Vorreiter für mein ungeschicktes Verhalten geworden. Aber wenn ich etwas ändern will, muss ich bei mir anfangen. Da kann mir kein Arbeitsamtsminister und kein es gut meinender Nachbar beistehen. Ich muss bei mir selber anfangen. Und manchmal hilft ein kleines Wörtchen. Es könnte „Danke“ heißen.

Text: Anna Politzer, Foto: Dominique Hensel

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