Lies mal!

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Vorlesen in der Carl-Krämer-Grundschule.

Es ist Dienstag, viertel vor neun. Dorothea Peichl geht über den Hof der Carl-Krämer-Grundschule und erreicht nach ein paar Treppen den Klassenraum. Die Frührentnerin wird sofort von einigen Kindern umringt, mit fünf Kindern, ausgesucht von der Klassenlehrerin, wird sie heute zwei Stunden Lesen und auch etwas Schreiben üben.


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Aus welchem Buch soll die Patin als nächstes vorlesen? Kinder aus der Carl-Krämer-Grundschule suchen es aus.

Dorothea Peichl ist sogenannte Lesepatin, entsandt vom Bürgernetzwerk Bildung. Das Projekt gibt es seit 2005 – ehrenamtliche Lesehelfer besuchen Schulen und Kitas und lesen gemeinsam mit den Kindern. Frau Peichl kommt jeden Dienstag für zwei Stunden zum Vorlesen in die Schule im Soldiner Kiez und hat bei den Schülern Spaß an der Bücherwelt geweckt. „Frau Peichl, ich hatte am Samstag Geburtstag“, sagt ein Mädchen und umarmt sie. Jedes Geburtstagskind bekommt ein Buch von ihr geschenkt. Manchmal ist es das erste Buch in der Familie.

„Die Lesepaten sind eine wunderbare Unterstützung“, sagt Karola Hagen, Projektkoordinatorin des Bürgernetzwerkes Bildung. „Wenn jemand in die Klasse kommt und sich als neue Bezugsperson Zeit für ein Schulkind nimmt, es in Ruhe an einem schwierigen Wort üben lässt – das ist sehr förderlich für den Leseerfolg“, so Hagen. Genau das macht Dorothea Peichl jetzt. Mit zwei Mädchen aus der Klasse setzt sie sich in die Bibliothek auf ein Sofa mit bunten Kissen. Die beiden dürfen sich ein Buch aussuchen, „Paula sieht Gespenster“ soll es sein. Beim Lesen wechseln sich die beiden ab. Zwischendurch regt die Lesepatin zum Gespräch über das Buch an: „Habt ihr denn auch schon einmal einen Streich gespielt?“, „Kann deine Oma auch gut kochen?“

Das Bürgernetzwerk Bildung vermittelt Lesepaten in 288 Berliner Schulen und Kitas, davon sechs im Soldiner Kiez. In allen diesen Einrichtungen sind zur Zeit 2046 Lesepaten aktiv. An der Carl-Krämer-Grundschule sind es acht Ehrenamtliche, die wöchentlich in die Schulklassen kommen und dort Freude am Lesen vermitteln.

Nach 20 Minuten kommt das nächste Kind zu Frau Peichl in die Bibliothek, ein neunjähriger Junge, der sich gleich „Die Olchis“ aus dem Regal greift. Das Buch, das für die erste und zweite Klasse gedacht ist, liest er langsam und erarbeitet sich jedes Wort konzentriert. Als Belohnung liest ihm die Lesepatin danach noch einige Seiten vor.

Zeigt sich ein Erfolg bei den Lesekindern? „Die Welt verändere ich nicht“, meint die Ehrenamtliche, die bereits seit fast zehn Jahren für Kinder vorliest. „Aber mit der Zeit ist der Besuch des jeweiligen Lesepaten wie eine Institution geworden. Die Kinder freuen sich jede Woche und nutzen die Zeit richtig.“ Mit dieser Zuwendung greifen viele Kinder bald ganz allein zum Buch und werden gar zu richtigen Leseratten.

Möchten Sie Lesepate werden? Dann melden Sie sich bei Karola Hagen unter: (030) 72 61 08 56 oder schreiben Sie eine E-Mail: karola.hagen@vbki.de. Wissenswertes findet sich auf http://www.vbki.de/buergernetzwerk-bildung.

Text: Simone Lindow, Foto: Benjamin Renter

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2 Antworten zu Lies mal!

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