Lesebühne im „Kamine und Wein“

Holger Haak bei der Lesung.Die Lesebühne Amygdala lädt am Sonnabend (18.4.) wieder zum Leseabend ins „Kamine und Wein“ ein. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr in der Prinzenallee 58. Hier ein Eindruck einer Amygdala-Abends aus dem Kiezmagazin:

Amygdala klingt irgendwie nach einem fernen Land. Oder nach einer fremdartigen Kreatur, die einem in eben diesem fernen Land auflauert. Tatsächlich bezeichnet das Wort aber ein Gebiet im menschlichen Gehirn, das uns dabei hilft, Situationen emotional einzuordnen. Es passt ganz gut, dass Christine Mösch, Holger Haak, Gunter Scholtz und Gaby Maria Walter ausgerechnet diesen Namen für ihre Lesebühne gewählt haben: Schließlich befassen sich die vier Teilzeitpoeten häufig damit, wie man sich in verschiedensten Lebenslagen zurechtfindet. Und jeden dritten Samstag im Monat tragen sie im „Kamine und Wein“ in der Prinzenallee 58 die Texte vor, die dabei entstehen.

Da ist zum Beispiel die Bauchtanz-Performance, zu der Christine von ihrer Nichte überredet wurde. Mit einem herrlamygdala2ich sarkastischen Schmunzeln schildert sie dem Publikum die Situation: Die Hüfte schwang in die eine Richtung, der Oberkörper in die andere und das orientalisch angehauchte Kostüm definitiv in die falsche. Als die Autorin vor ein paar Jahren ihre Aufzeichnungen über die Erlebnisse in der Bauchtanzgruppe erstmals ein paar Freunden vortrug, erkannten diese sofort ihr Talent – und schickten sie in eine Schreibwerkstatt. Dort lernte sie Holger kennen.

Auch Holger hat schon so seine Erfahrungen mit emotional einzuordnenden Situationen gemacht. Zwei Worte reichen aus, um seine Amygdala dem Burnout ein großes Stück näher zu bringen: Verkaufsoffener Sonntag. Seine Miene ist so ernst wie sein Humor schwarz, wenn er von den post-apokalyptischen Zuständen erzählt, die an solchen Tagen in Weddinger Lebensmittel-Discountern herrschen. Dabei hat er bei der Zigarette davor noch steif und fest behauptet, er sei nicht lustig.

Im Gespräch wirken die Autoren wie ein mehrteiliges altes Ehepaar. Sie kennen sich sehr gut, scherzen miteinander und jeder behauptet vom anderen, er sei der wirklich Lustige der Truppe. Dabei können es alle, die an diesem Abend die kleine Bühne betreten, locker mit den Protagonisten überfüllter Kreuzberger Poetry Slams aufnehmen. Ihre ersten Lesungen hielten sie übrigens in einer Galerie am Alexanderplatz ab. Von dort aus zog es sie in den Prenzlauer Berg, bis sie schließlich im Soldiner Kiez einen geeigneten Rahmen für ihre Texte fanden – umgeben von gutem Wein, knisternden Kaminen und nicht wenigen Stammgästen. Abgerundet wird ihr Programm üblicherweise von sogenannten Gaststargästen: zum Beispiel die Singer-Songwriterin Eva Wunderbar mit ihren bittersüßen Melodien oder Marien Loha, der von den Vor- und Nachteilen des Zusammenlebens mit einem Waschbären berichtet.

Gunter, der sich seinen festen Programmplatz mit Gaby teilt, beendet diesmal den Abend. In seinem ersten Text hatte er noch genauso pointiert wie detailliert eine grausame Meuchelei im Orchestergraben beschrieben. Doch zum Abschied singt er dem Publikum ein Lied über einen Atheisten und seine weihnachtlich gestimmte Frau: ein Liebeslied. Emotional. Passt doch.

Mehr über die Lesebühne Amygdala gibt es im Internet: www.amygdala-berlin.de

Text und Foto: Alexandra Resch

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