Muss der Medienhof Wedding schließen?

Nachhilfe im Medienhof. Foto: Medienhof

Nachhilfe im Medienhof. Foto: Medienhof

Der Medienhof Wedding steht vor dem Aus. Die Sprach- und Bildungsförderung im Berliner Wedding kann nach dem Auslaufen der Lotto-Förderung im Sommer wahrscheinlich nicht mehr weitermachen. „Es laufen noch einige Anträge für nächstes Jahr, aber es sieht schlecht aus“, meint der Leiter der Einrichtung, Herbert Weber, „wenigstens bis zum Ende des Jahres bräuchten wir noch 10.000 Euro.“

Herbert Weber vor dem Medienhof Wedding. Foto: Hensel

Herbert Weber vor dem Medienhof Wedding. Foto: Hensel

Der Medienhof hat sich in den letzten zehn Jahren als Bildungszentrum im Brennpunktkiez etabliert. Wöchentlich kommen über 100 Kinder- und Jugendliche in die Einrichtung und suchen die kostenlose Unterstützung bei Hausaufgaben, Referaten und Fachfragen. „Die Bildungsergebnisse im Wedding sind die schlechtesten in Berlin. Es fällt vielen jungen Migranten schwer, Fachtexte zu verstehen und sich schriftlich auszudrücken“, meint Weber. Im Medienhof arbeiten täglich sechs Lehramtsstudenten, die in allen Fächern Nachhilfe geben und beim Textverständnis helfen. „Wir sehen, dass es auch in berüchtigten Kiezen wie dem Soldiner Kiez viele lernwillige Schülerinnen und Schüler gibt. Sie brauchen aber wegen der schlechten Bildungsvoraussetzungen zusätzliche, individuelle Hilfe, um bessere Noten und Abschlüsse zu erzielen. Die Unterstützung in den Familien und in den überlasteten Schulen reicht nicht.“  Die Familien fast alle Schüler, die den Medienhof besuchen, können sich keine privaten Nachhilfestunden leisten.

Der Medienhof-Wedding bekam bisher kein Geld von der Bildungsverwaltung oder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, sondern finanzierte sich fast ausschließlich über Spenden und Stiftungsgelder. „Zwar fordern alle Politiker bessere Bildungschancen für benachteiligte Schüler. Wollen die ihre Chancen dann ergreifen, fühlt sich leider niemand mehr zuständig und keine Stelle hat Geld für eine außerschulische Einrichtung wie unsere“,  zieht Weber ein bitteres Fazit. Ein wenig Hoffnung setzt er noch auf private Spender, die die Notwendigkeit der Bildungsförderung im Brennpunktkiez erkannt haben und helfen, die Zeit bis zum Jahresende zu überbrücken.

Weitere Infos unter: www.foerderunterricht-sprint.de und auch im Soldiner „Sprache“: Ein Tropfen auf den heißen Stein

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