Es summt im Soldiner Kiez

bienen3Ein Imkerkollektiv aus der Grüntaler Straße schickt seine Bienen ins Grün der Stadt. Der Beitrag aus dem Soldiner „So grün!“ – jetzt auch online.

Benjamin (links) und Philipp sehen nach ihren Bienen.

Benjamin (links) und Philipp sehen nach ihren Bienen.

Haselnuss und Schneeglöckchen, Apfel und Kirsche, Robinie, Lavendel und Herbstanemone. Imker leben von Blüte zu Blüte. Sie wissen immer genau, was blüht und welchen Honig ihre Bienen gerade herstellen. Auch Laura, Benjamin und Philipp, die in einer Wohngemeinschaft in der Grüntaler Straße zuhause sind, kennen sich im Blühkalender bestens aus. Als Imkerkollektiv „aus.beuten“ betreuen sie im Soldiner Kiez derzeit drei Bienenvölker. Das sind im Sommer zusammen bis zu 180.000 summende Tiere, die im Viertel auf Pollenjagd gehen.

Philipp, Benjamin und Laura auf dem Weg zu ihren Bienen auf demSt.-Elisabeth-Friedhof.

Philipp, Benjamin und Laura auf dem Weg zu ihren Bienen auf demSt.-Elisabeth-Friedhof.

Alle paar Tage ziehen die drei Hobbyimker ihre gelbe Schutzkleidung an und besuchen ihre Bienen. „Im Moment machen wir alle zehn Tage Schwarmkontrolle“, sagt Philipp. Denn jetzt ist die Zeit, in der die Bienenvölker von 5000 Bienen im Winter auf bis zu 60.000 Tiere pro Volk im Sommer anwachsen. „Werden die Völker zu groß, teilen sie sich und suchen sich eine neue Bleibe, sie schwärmen“, erklärt Benjamin. Die Stadtimker wollen das möglichst verhindern und den überzähligen Bienen rechtzeitig eine neue Wohnung anbieten, denn sonst müssten sie den abtrünnigen Schwarm einfangen. Das ist oft schwierig und und manchmal auch vergebens.

Das Imkerkollektiv hat im April 2014 seine ersten Bienen im Soldiner Kiez angesiedelt. Von einem Imker in Weißensee kam das erste Volk. An einem geschützten Ort auf dem St. Elisabeth-Friedhof sind die Bienen der Sorte Carnica nun zu Hause. Inzwischen sind aus dem einen Volk drei Völker geworden. Die zwei Ableger haben ihren Standort in der Kleingartenkolonie Wiesengrund an der Grüntaler Straße.

Während Philipp und Benjamin Neuimker sind, hat Laura viel Erfahrung in diesem Bereich der Landwirtschaft. Nach dem Studium Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde hat sie zwei Jahren lang als Imkerin in einer Großimkerei nahe des brandenburgischen Ortes Seelow gearbeitet. Zehn Imker betreuten dort im Team 2000 Bienenvölker. Inzwischen arbeitet sie nicht mehr dort, ihre Liebe zu den Bienen hat sie jedoch mitgenommen: „Ich mag es sehr, die Bienen zu beobachten, wie sie sich entwickeln“. Das Besondere an dem Hobby sei auch, draußen in der Natur zu sein und „nicht immer nur am Computer zu sitzen“.

Viel freie Zeit haben die drei Imker, zumindest im Sommer, nicht. „Imkern ist gerade sehr angesagt. Aber viele wissen gar nicht, dass das ein sehr zeitaufwändiges Hobby ist“, erklärt Benjamin und Philipp ergänzt: „Gerade im Sommer sind die Bienen sehr aktiv. Es gibt viel zu tun. Mit dem Sommerurlaub ist das zum Beispiel schwierig. Das unterschätzen viele.“ Wenn im Frühjahr die ersten Pflanzen blühen, beginnt die Arbeit. Regelmäßig stehen Schwarmkontrollen an, Ableger werden angelegt, der Honig wird geerntet und verarbeitet, die Völker werden gegen die gefürchtete Varroa-Milbe behandelt. Dann folgen schon die Vorbereitungen auf den Winter. „Im Moment kümmern wir uns etwa zwei Stunden in der Woche um die Bienen“, sagt Benjamin.

Der Lohn für die Arbeit ist neben der gemeinsamen Naturerfahrung natürlich der Honig. Im vergangenen Jahr hat das Imkerkollektiv erstmals Honig geerntet. 20 Kilogramm Lindenhonig war die Ausbeute. Bis zum Frühling war der Honig aus dem Soldiner Kiez aufgegessen. Wie viel Honig die inzwischen drei Völker in diesem Jahr produzieren, wissen die Stadtimker jetzt noch nicht.

Um die Ernährung ihrer Bienen müssen sich die Imker indes keine Sorgen machen. Sie wissen, dass es Bienen in der Stadt inzwischen oft besser geht als ihren Artgenossen auf dem Land. In der Stadt gibt es weniger Pflanzenschutzmittel und durch Straßenbäume, Parks, Rabatten, Kleingärten und Balkone eine größere Pflanzenvielfalt. Außerdem ist es in der Stadt immer zwei bis drei Grad wärmer als auf dem Land, weshalb die wärmeliebenden Tiere hier länger sammeln können. Aus diesen Gründen ist die urbane Bienenhaltung in den letzten Jahren immer beliebter geworden.

Mehr als 1000 Imker sind inzwischen bei einem der Imkervereine der Stadt angemeldet. Vor fünf Jahren waren es nur halb so viele. Bienen auf dem Friedhof – das klingt vielleicht exotisch. Der Standort ist aber gar nicht so ungewöhnlich. Friedhöfe sind aus Sicht der Bienen große grüne Flächen mit Bäumen und blühenden Blumen. Überall in Berlin (und auch im Wedding) kann der aufmerksame Spaziergänger die hölzernen Bienenkisten sehen. Im Mauerpark, auf dem Dach des Centre francais in der Müllerstraße, auf dem Friedhof in der Liesenstraße, im Schul-Umweltzentrum in der Scharnweberstraße, im Gemeinschaftsgarten „himmelbeet“ und an vielen weiteren grünen Orten. Es gibt seit einiger Zeit auch Bienenkisten für die Balkonbrüstung und es gibt gemeinschaftliches Imkern wie im Gemeinschaftsgarten „mauergarten“. In manchen Supermärkten wird Honig aus Berlin verkauft und auch einige Schulen in Berlin imkern. Die Initiative „Berlin summt“ bietet Bienenkoffer für Pädagogen an und stellt an besonders repräsentativen Orten in der Stadt Bienenvölker auf. Imkern in der Stadt ist populär geworden.

Das Imkerkollektiv aus dem Soldiner Kiez denkt übrigens selbst ans Ausschwärmen. Irgendwann wollen die drei Imker nämlich aufs Land ziehen. Ihre Bienen kommen dann natürlich mit! Doch erstmal sammeln sie weiter als Stadtimker Erfahrungen. Laura macht das übrigens nicht nur im Soldiner Kiez. Sie betreut auch die Solidarische Imkerei im „mauergarten“ im Brunnenviertel.

Text/Fotos: Dominique Hensel

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kiezprojekte, Umwelt abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s