Wilde Küche an der Panke

Sara Meiers (Mitte) zeigt, was an der Panke wächst.

Sara Meiers (Mitte) zeigt, was an der Panke wächst. Foto: Simone Lindow

Sara Meiers lädt einmal im Monat zum Wildkräuterspaziergang ein. Wer mag, kann anschließend im Prinzengarten am Picknick teilnehmen. Die nächste Gelegenheit dazu ist am 20. September. Der Artikel aus dem Soldiner „So grün!“

Auf der Soldiner Brücke stehen zwei junge Frauen, eine weitere kommt bald hinzu, dann drei Herren. Als es kurze Zeit später 16 Uhr wird, trägt die Brücke knapp 20 jüngere und reifere Herrschaften, die sich nun in Bewegung setzen. Allen voran Sara Meiers. Sie leitet den Spaziergang, der eine Stunde an der Panke entlang führt und einen grünen wie schmackhaften Blick auf das Ufer des Gewässers wirft. „Natürlich ist schon ein Spaziergang an sich erfrischend und gerade hier auch optisch erholsam, aber ein neuer, anderer Blick – das ist, was ich mit meinen Spaziergängen anbiete“, so Meiers, die seit 2013 im Kiez flaniert und saisonale Leckerbissen der Natur zeigt.

Holunder wächst an der Panke. Foto: Dominique Hensel

Holunder wächst an der Panke. Foto: Dominique Hensel

Man sollte jetzt nicht direkt hier am Wegesrand der Panke mit der Kräutersuche beginnen, mit Abwaschen sind die grünen Fundstücke nicht sauber zu bekommen – man denke an Hundedreck und Abgase“, so die 62-Jährige. Hat man beim Spaziergang jedoch ein bis zwei Pflanzen für sich entdecken können, sollte man sich Form und Aussehen merken. Denn Schrebergärten, der eigene Balkon oder eine Fahrt aufs Land sind dann eine Möglichkeit, viele Mahlzeiten mit etwas Natur zu versehen. „Helfen Sie Freunden und pflücken Sie auch in deren Garten, wenn sie Löwenzahn-Wachstum beklagen“, rät Meiers und die Gruppe lacht.

Heute geht es auf die Walter-Nicklitz-Promenade. Meiers deutet auf einen Baum. „Linden treiben bis August immer wieder neu. Die jungen Blätter, hellgrün und ganz weich, schmecken als Salat oder auch einfach so.“ Die Gruppe probiert und versteht Sara Meiers Geschmack: „Linden sind für mich Naschbäume“. Die Blüten wirken als Tee fiebersenkend. „Ist es denn gut für Bäume, wenn man die Blüten abpflückt?“, fragt eine junge Frau, die den Spaziergang barfuß mitläuft. „Hie und da behutsam abgezupft, bringt es für die Bäume sogar einen Wachstumsschub – allerdings sollten nicht alle Blüten genommen oder abgerissen werden, dann gibt es nämlich an Obstbäumen keine Früchte“, antwortet Meiers. Appetitlich: Kirschblüten sind ebenso essbar wie die von Apfel, Rose oder auch Pflaume. Sie sind zudem eine schöne Tortendekoration.

Während des Weges beantwortet die gelernte Heilpraktikerin geduldig alle Fragen und bringt umfangreiches Wissen aus ihrer Lehrzeit ein – wie kann Schollkraut verwendet werden, wie wirken Bitterstoffe im Körper, welche homöopathischen Kräfte haben die vielen Kräuter am Wegesrand? Eine Mauer mit angrenzender Grünfläche ist der nächste Ort, an dem die Gruppe stehen bleibt. Viele haben Zettel und Stift in der Hand, andere eine hübsche grüne Sammlung für die Abendküche. Beifußblätter – perfekt für den nächsten Kartoffelsalat! Für gute Gastgeber in der Grillsaison: Kerbel kann sehr erfolgreich für Kräuterbutter verwendet werden. 

Der Japanische Riesenknöterich und Sprossen vom wilden Hopfen haben hier einiges gemeinsam: Sie sind des Gärtners Missmut. Im Internet taucht zusammen mit beider Namen die Frage nach dem Loswerden auf. Eine Variante: Aufessen. Und es muss nicht immer Beelitzer Spargel sein! So weit abpflücken wie die Spitze leicht nachgibt, in mundgerechte Stücke schneiden, mit Pfeffer, Salz und Öl fünf Minuten in der Pfanne anbraten, lecker. „Kann ich das einfach so abbeißen?“, fragt eine junge Mutter mit einer Hopfensprosse in der Hand und bewundert direkt danach den nussigen Geschmack.

Äußerst unterhaltsam hat Sara Meiers Weddingern und Pankeliebhabern Geheimnisse aus der Gartenküche verraten. So manch’ raffinierter Salat findet ab heute Abend Einzug in diverse Haushalte. Zuvor jedoch stehen im Prinzengarten, in der Prinzenallee 58, für alle, die ein wenig Appetit bekommen haben, Kräuter und Töpfe bereit. „Den Garten habe ich seit der letzten Saison, weil es einfach noch netter ist, das Gefundene direkt nach dem Spaziergang einmal auszuprobieren“, freut sich Meiers. Heute wird ein Hopfensprossenrisotto zubereitet. In dieser Runde bietet sich die Gelegenheit für ganz spezielle Fragen zu neu entdeckten und gesammelten Stängeln und Blüten. Guten Appetit und danke, Panke!

Die Termine für die Wildkräuterspaziergänge finden sich auf Plakaten in der Umgebung und auf der Seite des Quartiersmanagements Soldiner Straße, das die kostenfreien Wildkräuterspaziergänge des Projekts „Essbarer Kiez“ mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ fördert: http://www.soldiner-quartier.de.

Text: Simone Lindow

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