Meinung: Kein Mensch ist Müll oder Von der Lieber-Nicht-Willkommenskultur in Berlin

Tür auf oder Tür zu? Deutschland unterscheidet in nützliche und nicht nützliche Flüchtlinge.

Tür auf oder Tür zu? Deutschland unterscheidet in nützliche und nicht nützliche Flüchtlinge.

Der Soldiner Kiez war schon vermüllt, als Rumänien und Bulgarien noch gar nicht in der EU waren. Dennoch waren genau diese Menschen vor wenigen Jahren Anlass, die Altglascontainer in der Soldiner Straße zu entfernen. Der Beitrag aus dem Soldiner „Kultur & mehr“ – jetzt online.

Es ging um Abfall und Sperrmüll, der sich rundum verteilte und zielte auf die Menschen, die sich vor der Stephanuskirche aufhalten: Armutsflüchtlinge aus Rumänen, wohnhaft im Wedding. Weil sich die EU-Bürger aber auf einem öffentlichen Platz treffen, der seit Jahren durch Baustellen und zu wenig Reinigungskräfte seitens des Kirchenpächters verwahrlost, werden sie auf den dort herumliegenden Müll reduziert. Windeln, Essensreste, Unrat.

Ich als direkte Anwohnerin habe schon viele Trittbrettfahrer erlebt: der faule Nachbarsjunge mit dem Hausmüll, eine Frau und zwei Männer, die eine Schrankwand vor die „Zigeuner“ hievten, den Psychologen aus dem Kiez, der seine Weinflaschen entlud. Ende Juli hat die Kirchengemeinde nun die zwei beliebten Bänke vor der Kirche abbauen lassen, um so das Müll-Problem zu lösen. Anstelle von Sitzgelegenheiten in der Sonne und einer Wasserpumpe, die allen Erfrischung bietet, wird den Bürgern etwas anderes vor die Nase gesetzt: das bequeme, alte Klischee von den unmodernen „Tsiganes“: im Müll geboren, im Müll gestorben, Müll ein Leben lang.

Text: Lena Reich, Foto: Dominique Hensel

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3 Antworten zu Meinung: Kein Mensch ist Müll oder Von der Lieber-Nicht-Willkommenskultur in Berlin

  1. HeBu schreibt:

    Hi! Könntet ihr das mit den fehlenden Altglas-Containern bitte noch näher erläutern? Mir erschließt sich da der Zusammenhang nicht.

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    • planetwedding schreibt:

      Dort, wo heute eine Bank steht, waren drei Glascontainer, um die sich Haus- und Spermüll sammelte. 2012 wurde eine Unterschriften-Aktion gestartet, um auf das Müll-Problem aufmerksam zu machen. Auf die Aktion folgte der Abbau der Glascontainer. Wenige Monate später wurden bei einer vom QM initierten Veranstaltung das „Müll-Problem“ im Kiez disktutiert. Es ging u.a. darum, dass Vermieter den Zugang zu den Hausmülltonnen vor allem für Roma versperrten, u.a. in der Soldiner Straße 88. Antwort von Autorin Lena Reich

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      • HeBu schreibt:

        Ja, schade. Der Haus- und Sperrmüll sammelt sich stattdessen nun einfach entlang des Bürgersteigs und das Altglas muss man ewig schleppen oder mit dem Bus wegbringen. Die Aktion ging dann wohl eher nach hinten los 😦

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