Stadtsoziologin Ingeborg Beer zur Beteiligung in den Quartieren

Stadtsoziologin Ingeborg Beer sprach auf der Quartierswerkstatt. Foto: Schnell

Stadtsoziologin Ingeborg Beer sprach auf der Quartierswerkstatt. Foto: Schnell

Eine Grundsatzrede hielt Stadtsoziologin Ingeborg Beer am Freitag (13.11.) im Soldiner Kiez. Sie war zur Quartierswerkstatt im Gebiet eingeladen und sprach über das Thema Beteiligung und das Förderprogramm „Soziale Stadt“. Was sie zu sagen hatte, ist nicht nur für das Quartiersmanagement Soldiner Kiez von Bedeutung. Wichtigster Gedanke ihrer Rede in der NachbarschaftsEtage der Fabrik Osloer Straße war: Beteiligung muss so gestaltet werden, dass soziale Ungleichheit gemindert wird. Es gelingt aber zu wenig, Menschen in allen sozialen und kulturellen Lebenslagen zu erreichen. Dafür ist der Aufbau von Beziehungen  ganz wichtig.

Quartierswerkstatt in der NachbarschaftsEtage. Foto: Schnell

Quartierswerkstatt in der NachbarschaftsEtage. Foto: Schnell

Quartiersräte und Mitglieder der Vergabejury hätten in ihrer täglichen Arbeit mit Projekten zu tun. Da könne es passieren, dass vor lauter Bäumen der Wald nicht gesehen wird. Deshalb erinnerte Ingeborg Beer an die Ziele aller Quartiersmanagements in Berlin. In einem Leitfaden zur „Sozialen Stadt“ von 2005 heißt es: „Die sozialen Netze sind zerrissen“. Das heißt, eine Aufgabe der Stadtteilläden und Vorortbüros sei es, in den Kiezen die Nachbarschaft zu stärken. Die Quartiersmanager sprechen von Partizipation oder Beteiligung. Es geht darum, es den Leuten zu ermöglichen, Kontakte zu knüpfen und das Leben in den Kiezen gemeinsam zu gestalten.

Natürlich gebe es Hindernisse, die dem Ziel einer lebendigen Nachbarschaft entgegenstehen. Die Quartiersmanagements könnten vor allem auf einige Punkte achten. Ingeborg Beer empfiehlt, nicht abzuwerten. Dabei ist nicht das Wort selbst entscheidend, sondern der Blickwinkel. Als Beispiel nennt sie „Brennpunktschule“. Welche Eltern fühlen sich mit diesem Begriff angesprochen? Als weiteren Punkt nannte sie unter anderem „Atmosphärisches“. Quartiersmanager sollen laut Beer mit den Leuten ins Gespräch kommen, sich Zeit für individuelle Kontakte nehmen und Sitzungen für alle angenehm gestalten.

Projekte sind für Stadtsoziologin Ingeborg Beer auch die Möglichkeit, dass Menschen den Blick über den Kiez hinaus heben. Es gebe viele herausragende Talente. Die Frage sollte sein: Gibt es für das Projekt auch eine Bühne, Ausstellung oder Plattform in der großen Stadt? Wo erfahren sie Anerkennung? Wie entstehen Kontakte über Nachbarschaften hinaus? Außerdem gab dis Soziologin Quartiersmanagern wie Räten mit auf den Weg, Migrantenorganisationen zu gewinnen, Projekte im Tandem durchzuführen und mit den muslimischen Gemeinden zu sprechen. Vor allem wiederholte Ingeborg Beer in ihrer Rede immer wieder: Menschen persönlich ansprechen. Persönlich hat zwei Bedeutungen. Zum einen heißt es, Gruppen individuell als Zielgruppe anzusprechen. Dann seien auch Comics, Erklärvideos oder passende Layouts und Designs auf Flyern nötig. Zum anderen heißt persönlich auch: eine konkrete Person ansprechen und Vertrauen aufbauen.

Für Berichte über die Arbeit des Quartiersmanagements empfahl Ingeborg Beer, sich Anregungen beim Netzwerk Leichte Sprache zu holen. Denn auch in der Öffentlichkeitsarbeit gebe es viele Barrieren. Im Fazit kam sie noch einmal auf persönliche Beziehungen und Vertrauen zurück. Das Quartiersmanagement sollte öfter den Schreibtisch verlassen. Bestehende Netzwerke und Communities sollten eingebunden werden. Und natürlich: Das Ziel aller Bemühungen müsse der soziale Aufstieg der Menschen sein, die zu wenig an der Gesellschaft teilhaben.

Text und Foto: Andrei Schnell / zuerst erschienen auf Quartiersmanagement Brunnenviertel-Ackerstraße – Vielen Dank für die Erlaubnis zur Übernahme des Textes!

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