Arbeit für umsonst?

Torte_1Ein Erfahrungsbericht einer Ehrenamtlichen aus dem FamilienZentrum Fabrik Olsoer Straße. Der Text ist in der aktuellen Ausgabe des Kiezmagazins zu finden – jetzt auch online.

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ Diese Frage stellte vor einigen Jahren ein Werbespot. Während meines damaligen Studiums zur Marketing- und Kommunikationswirtin sprach mich der Spot an und schickte meine Gedanken seinerzeit auf eine Zeitreise in meine eigene Vergangenheit…

Ich bin in einer gläubigen Familie aufgewachsen. Bereits in meiner Kindheit sang ich während der religiösen Kinderwoche Bewohnern eines Pflegeheimes Lieder vor und bastelte in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Bei jedem der Besuche konnte ich ein Strahlen in den Augen der Besuchten und ein Lächeln auf ihren Lippen sehen. Sie sangen, schunkelten mit oder tanzten sogar ausgelassen dazu. Wir machten ihnen eine Freude, machten sie glücklich. Das erfüllte auch mich mit Glück und Zufriedenheit. In der Kirchengemeinde fühlte ich mich geborgen. Ich erlebte Nächstenliebe und Zusammenhalt hautnah mit. Dies gab mir Kraft und Halt.

Immer mehr erkannte ich beim Nachdenken über das Thema, dass es nicht zu meiner persönlichen Vorstellung von Menschlichkeit und Ehrlichkeit passte, beruflich den Kommerz zu bewerben. Obwohl ich noch für einige Zeit in der bunten Welt der Medien arbeitete, ließen mich die Erinnerung an die Zeit in der Kirchengemeinde und dieser Werbespot nie ganz los. Nachdem ich dann selbst vor einigen Jahren nach einer langen Krankheit für eine Zeit auf fremde Hilfe angewiesen war, nahm ich mir vor, mich wieder ehrenamtlich zu engagieren. Ich hatte den Wunsch, andere Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Vor zwei Jahren lernte ich im FamilienZentrum Fabrik Osloer Straße andere Ehrenamtliche kennen. Ich fühlte mich dort gut aufgehoben und unterstützt. Das überzeugte mich. Ich bot meine Unterstützung an.  Fortan begleitete ich Dorothee Fischer vom FamilienZentrum beim dienstags stattfindenden Tobenachmittag und führte mit zwei weiteren ehrenamtlich tätigen Müttern jeden Freitag das Cafè für Alleinerziehende.
Das ist nun ein Jahr her. Ich habe in dieser Zeit als Ehrenamtliche Erfahrungen sammeln können, wobei die Positiven deutlich überwiegen. Wegen meiner Tätigkeit als Ehrenamtliche bekam ich aber auch kritische Sätze zu hören. Sie lassen mich nur schmunzeln, denn für mich gehört der individuelle Beitrag zum Allgemeinwohl zu einem sinnerfüllten Leben dazu, er ist eine Bereicherung für mein persönliches und berufliches Leben. Ehrenamt ist nicht nur Arbeit für umsonst. Ehrenamt bedeutet auch soziale Kontakte, Anerkennung, eine sinnvolle Aufgabe, persönliches Wachstum, Interessensorientierung und Mitgestaltung unserer Gesellschaft!

Ich lege jedem nahe, ab und zu eine Unterstützung für andere zu sein. Das geht ganz einfach, zum Beispiel indem man den Sitzplatz freiwillig für einen anderen Menschen freimacht, jemanden ungefragt an der Kasse vorlässt oder einfach ein freundliches Lächeln schenkt. Gebt euren Mitmenschen das, was ihr selbst von ihnen bekommen möchtet: Hilfsbereitschaft, Toleranz, Ehrlichkeit, Respekt und Nächstenliebe. Das ist  jedenfalls die Gesellschaft, in der ich leben will!

In der nächsten Ausgabe des Kiezmagazins Soldiner möchte ich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchleuchten, um auch die Schattenseiten aufzuzeigen, welche das Ehrenamt mit sich bringt. Es wird auch darum gehen, welche Alternativen möglich sind.

Text: Nikola Naumann, Grafik: D. Hensel (Daten: Fabrik Osloer Straße e.V., Stand: 1.5.2016)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Meine Meinung abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s