Zu zweit die Welt entdecken

pasch-logoDelessandro (Kosename: Dedé, bald 9 Jahre alt) und ich sind nun schon beinahe drei Jahre ein Bildungspaten-Paar. Es war „Liebe auf den ersten Blick“, damals, am 30. Oktober 2013, an einem grau-kalten Herbstmittwoch im Berliner Wedding. Ich glaube, ich habe damals Dedé beeindruckt, weil ich als Frau Kampfsport betreibe und so sportlich bin. Und dann mache ich auch noch Capoeira, eine brasilianische Kampfkunst. Dedés Papa ist Brasilianer… Nachdem ich ihm verschiedene Tritte und ein Rad vorgeführt und er mir ein paar Taekwondo-Tritte gezeigt hatte, war es entschieden. Sprich: Wir hatten uns füreinander entschieden.

Seitdem machen wir regelmäßig einmal die Woche Berlin unsicher. Mittwochs um 16.30 Uhr treffen wir uns und gehen gemeinsam zum Kindercapoeira. Und trainieren zusammen. Danach gehen wir meist noch etwas essen und reden ganz viel. Okay, Dedé redet ganz viel und ich höre aufmerksam zu. Zwischendurch darf ich Fragen stellen oder ein paar ironische Bemerkungen machen, die Dedé meist recht schlagfertig erwidert. Auch unsere Ironie und unser Humor verbindet uns. Unglaublich, wie viel so ein kleiner Kerl schon versteht!

Ich mag es sehr, wenn Dedé gestenreich von seinem Alltag erzählt. Es ist vermeintlich nichts Besonderes und dennoch passiert in diesen Momenten ganz viel. Weil er mich ganz für sich hat, nur ich ihm zuhöre und bestärke. Neben Capoeira unternehmen wir auch viel: Wir waren im Naturkundemuseum, auf Abenteuerspielplätzen, auf Weihnachtsmärkten, im Kindertheater, im Aquarium, im Mitmach-Museum, wir gehen Schwimmen, Klettern und fahren viel Rad. Langweilig wird uns nie. Und quasi nebenbei zeige ich ihm nach und nach ein Stück mehr von der Welt, was alles so möglich ist und rücke sein etwas verqueres Bild von Mann und Frau zurecht („Frauen tragen nur pink, reden und vergessen viel, während Männer immer zusammenhalten und super stark sind“).

Am liebsten mag ich seine Sprüche:
• „Aber wenn ich schnarche, dann habe ich am nächsten Morgen immer so einen trockenen Mund. Und deshalb habe ich beschlossen, nun nicht mehr zu schnarchen.“
• „Weißt du Jasmin, ich habe eigentlich auch ein Sixpack, du siehst es nur nicht, weil ich so einen Blähbauch habe.“
• „Iiiieehhh Zuckerwatte – das sieht aus, als ob man die Haare von alten Menschen isst.“
• Dedé: „Wie lange darf man eigentlich seine Patin behalten?“ Ich: „So lange wie du und ich das wollen“. Dedé: „Also so lange wie ich das will? Echt? Na dann bis du stirbst.“
• „Ich habe Langweilschmerzen.“

Ich bin sehr froh, dass ich seine Bildungspatin bin und mag auch die manchmal anstrengenden Stunden nicht missen. Es ist nicht nur für Dedé bereichernd, sondern auch für mich: Die Welt mit den Augen eines aufgeweckten Kindes zu sehen und zu erleben, wie Menschen aus anderen sozialen Milieus leben.

Mehr zu PaSch gibt es in einem separatem Beitrag: PaSch – Paten für Schüler

Text: Jasmin Leutelt

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