Thekensumpf

Kneipenfenster

Foto: Sulamith Sallmann

Nächte werden bedeutungsschwanger
entbinden aber keine Ideen
sondern nur den Wächter von der Pflicht.
Rauchschwaden hängen von der Decke
streicheln den Bierschaum
wie ein liebgewonnenes Haustier.

Und du sitzt am längeren Arm der Theke
lächelst ins Leere
sammelst Asche in deinem Stundenglas,
die du auf den Weg streust,
wenn ich gegangen bin.
Stimmen schwirren durch den Raum
summen wie Insekten
und stechen manchmal zu
wenn die Haut willig ist.
Das Nervengift geht heute aufs Haus
garantiert für alle
garantiert inklusive Spätfolgen.
Ich schließe die Augen
symbolisch im gespiegelten Bild auf dem Glas.
Eine neue Nacht geht zu Ende
nimmt den Schaum
und die Tränen
und das Kribbeln
und den Rausch.
Während sich die U-Bahnen draußen füllen,
leert sich die Theke im Inneren
meine Schuhe ganz staubig
von der Asche auf dem Weg.

La Rimaora, gewidmet ihrem Lieblingslokal im Soldiner Kiez
Foto: Sulamith Sallmann

Das Gedicht ist im gedruckten Soldiner, Ausgabe Oktober 2016 erschienen.

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Eine Antwort zu Thekensumpf

  1. Andrei Schnell schreibt:

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