„Wenn man offen ist, sollte man das einfach machen“

Kennenlerntreffen von Flüchtling und Paten. Foto: Martin Reischke

Kennenlerntreffen von Flüchtling und Paten. Foto: Martin Reischke

Mit einem Patenschaftsprogramm will das Netzwerk „Wedding.hilft“ Geflüchtete und Menschen aus dem Wedding zusammenbringen. Seit Beginn dieses Jahres hat die Arbeitsgruppe Patenschaften schon mehr als 30 Patenschaften vermittelt. Philipp Reckling (34), Pate für einen syrischen Flüchtling, sprach mit  Martin Reischke über seine Erfahrungen. Der Text aus dem gedruckten Soldiner, Ausgabe Dezember 2016 – jetzt auch online.

Warum bist du Pate geworden?
Philipp Reckling: Ich wollte etwas machen, wo ich einen längeren Kontakt und eine direkte Verbindung zu einem Flüchtling haben kann. Ich glaube, dass das die beste Möglichkeit ist, die Menschen einzubinden.

Du bist an Sulaiman, einen jungen Syrer aus der Nähe von Damaskus vermittelt worden…
Philipp Reckling: Er war damals schon ein halbes Jahr in Berlin. Er ist sehr nett und wir verstehen uns sehr gut, da hatte ich großes Glück. Mittlerweile klappt es auch mit der Verständigung.

Das Logo der Initiative Wedding.hilft

Das Logo der Initiative Wedding.hilft

Das war am Anfang schwieriger.
Philipp Reckling: Er konnte schon etwas Deutsch, aber das hat nur für eine oberflächliche Unterhaltung gereicht. Wir haben das mit Humor genommen: Ein bisschen mit Händen und Füßen, Übersetzungs-App und damit leben, dass es auch Missverständnisse gibt. Wir haben uns öfter verabredet, aber dann war doch jeder woanders.

Was habt ihr zusammen unternommen?
Philipp Reckling: Wir sind spazieren gegangen, haben uns gegenseitig zum Essen eingeladen. Als es wärmer wurde, sind wir auch mit dem Fahrrad an den See gefahren.

Gab es auch schwierige Situationen?
Philipp Reckling: Am Anfang war es schwierig zu gucken, wie die Patenschaft ausgeglichen sein kann. Wenn man hier wohnt und arbeitet, hat man ganz andere Möglichkeiten als jemand, der in der Erstaufnahmeinrichtung ist und kein Geld hat. Also haben wir meistens Sachen gemacht, die nichts kosten. Und wenn Sulaiman etwas geben wollte, habe ich das auch angenommen.

Das Logo der AG Patenschaften bei Wedding.hilft

Das Logo der AG Patenschaften bei Wedding.hilft

Das erste halbe Jahr Patenschaft ist schon vorbei. Wie geht es weiter?
Philipp Reckling: Ich glaube, wir brauchen diesen offiziellen Rahmen jetzt nicht mehr, aber wir werden auf jeden Fall weiter Kontakt haben, weil daraus eine Freundschaft entstanden ist.

Was würdest du Leuten raten, die selber Pate werden wollen?
Philipp Reckling: Wenn man offen ist, dann sollte man das einfach machen. Es gibt nichts zu verlieren.

Wer Interesse an einer Patenschaft hat oder in der Arbeitsgruppe Patenschaften bei „Wedding.hilft“ mitarbeiten möchte, kann sich per E-Mail an pate-werden@wedding-hilft.de wenden.

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