Bitte nicht wegwerfen!

In verschiedenen Foren im Internet oder hier auf der Weddingweiser Pinnwand bei Facebook bieten Foodsaver aus Wedding und Gesundbrunnen kostenlos gerettete Lebensmittel an. Screenshot: Hensel

In verschiedenen Foren im Internet oder hier auf der Weddingweiser Pinnwand bei Facebook bieten Foodsaver aus Wedding und Gesundbrunnen kostenlos gerettete Lebensmittel an. Screenshot: Hensel

Im Bezirk und auch im Soldiner Kiez gibt es viele Lebensmittelretter. Der Text über Foodsharing und Foodsaving aus dem gedruckten Soldiner, Ausgabe Dezember 2016 – jetzt auch online.

Rettet die Wale, rettet den Regenwald, rettet das Huhn – das sind die drei Dinge, die der großen Internet-Suchmaschine als erstes einfallen, wenn es um Rettung geht. Doch insbesondere im Bezirk Mitte wird noch etwas anderes gerettet: Lebensmittel. Im Soldiner Kiez und sogar unter den ehrenamtlichen Soldiner-Schreibern gibt es leidenschaftliche Lebensmittelretter. Da wird über verschiedene Seiten im Internet gerettete Suppe verschenkt, geschroteter Grünkern abgegeben, viel Rucola und ein Toastbrot vor dem Müll bewahrt… Die Foodsaving-Community ist in Berlin sehr groß – und in Wedding und Gesundbrunnen offenbar besonders aktiv.

Kühl gelagert halten Lebensmittel viel länger. Aber wie lange? Nicht jedes Lebensmittel, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, gehört in den Müll. Doch weil Viele das nicht wissen oder ihren Sinnen nicht vertrauen, landen insbesondere Obst, Gemüse und Molkereiprodukte oft viel zu früh in der Biotonne. Foto: Hensel

Kühl gelagert halten Lebensmittel viel länger. Aber wie lange? Nicht jedes Lebensmittel, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, gehört in den Müll. Doch weil Viele das nicht wissen oder ihren Sinnen nicht vertrauen, landen insbesondere Obst, Gemüse und Molkereiprodukte oft viel zu früh in der Biotonne. Foto: Hensel

Der eine oder andere wundert sich vielleicht über die Aktivisten, die Lebensmittel verschenken. Geht es ihnen darum, Bedürftigen zu helfen? Nein, nicht in erster Linie. Es geht vielmehr darum, Lebensmittel vor der Biotonne zu retten. Die Foodsaver durchforsten regelmäßig ihre Kühlschränke nach nicht benötigten, aber essbaren Dingen, sammeln nach Geschäftsschluss Reste in Läden ein, verwenden diese selbst oder verschenken sie. An Bedürftige oder an jeden, der etwas haben möchte.Im Schnitt wirft jeder Deutsche rund 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg. In die Tonne kommen vor allem Obst, Gemüse und Brot – weil zu viel gekauft wurde oder das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht wurde. Auch der Handel wirft viel weg. Privathaushalte und Handel zusammen bringen es im Jahr auf eine Wegwerfmenge von elf Millionen Tonnen. Die Lebensmittelretter wollen diese Verschwendung reduzieren.

Viele der Lebensmittelverschenker sind über die Initiative Foodsharing organisiert. Sie gehen in bestimmte Geschäfte in Wedding und Gesundbrunnen oder auch in anderen Stadtteilen und retten, was dort weggeworfen werden würde. Die Lebensmittel bieten sie dann anderen über die Webseite http://www.foodsharing.de oder anderswo kostenlos an und geben sie auch an soziale Projekte weiter. Seit 2012 hat die Initiative, die auf den Filmemacher Valentin Thurn zurückgeht („Taste the Waste“) nach eigenen Angaben bereits sieben Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet. Das Netzwerk von Ehrenamtlichen gibt es in Deutschland und Österreich. Berlin gehört zu den aktivsten Städten im Netzwerk, gefolgt von Köln und Hamburg. An vierter Stelle des Rankings steht mit 330.000 Kilogramm geretteten Lebensmitteln keine Stadt, sondern der Berliner Bezirk Mitte!

Im Stadtteil gibt es seit kurzem einen neuen Anlaufpunkt für alle, die sich mit Themen wie Müllvermeidung oder Lebensmittelrettung beschäftigen: das Baumhaus in der Gerichtstraße 23. Im Treffpunkt für Weltverbesserer gibt es das Zero Waste Café, das Projekt The Real Junk Food Berlin trifft sich und regelmäßig am Donnerstag gibt es auch Küfa. Küfa heißt „Küche für alle“ – gekocht wird mit geretteten Lebensmitteln aus dem Stadtteil.

Dieser Text ist zuerst bei unserem Kooperationspartner Weddingweister.de erschienen. Im gedruckten Soldiner, Ausgabe Dezember 2016, wurde er nachgedruckt.

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