Das berühmte Haus im Kiez

 

Das Haus der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks steht nun in der Wriezener Straße. Foto: Sulamith Sallmann

Das Haus der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks steht nun in der Wriezener Straße. Foto: Sulamith Sallmann

In der Wriezener Straße steht nun das frühere Heim der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks. Der Künstler Ryan Mendoza hat es in Amerika gerettet und im Soldiner Kiez wieder aufgebaut. Das Interview aus dem Kiezmagazin – auch als Hörversion.

Ryan Mendoza, ein amerikanischer Künstler, hat ein Holzhaus mitten im Soldiner Kiez aufgebaut. Dabei gehört das marode wirkende Haus eigentlich gar nicht nach Berlin, denn es ist ein Teil der Geschichte der USA. Zwar gibt es nicht viele Häuser, die es über den Ozean geschafft haben. Doch das ist noch gar nicht das Besondere daran. Das ist vielmehr die mutige Frau, die in dem Haus einst Zuflucht gefunden hat: Rosa Parks. Die schwarze Bürgerrechtlerin ist dadurch bekannt geworden, dass sie sich zu Zeiten der Rassentrennung in den USA in einem Bus weigerte, den Platz für einen Weißen frei zu machen.

Wriezener Straße 19. Foto: Hensel

Wriezener Straße 19. Foto: Hensel

Man muss in der Sackgasse Wriezener Straße, kurz vor dem Friedhof, schon genau hinschauen, um das ungewöhnliche Holzhaus zu entdecken. Kaum zu glauben, dass das Haus mit seinen alten Holzbrettern gerade ganz neu errichtet wurde. Aufgebaut haben es Ryan und Fabia Mendoza, die in der Wriezener Straße 19 wohnen. Sie haben es nach Deutschland geholt, um dieses Zeitzeugnis im Rahmen einer Kunstaktion zu retten. Das Interesse am Rosa-Parks-Haus ist berlinweit sehr groß.

Ryan, was macht das Holzhaus, das du in seine Einzelteile zerlegt hast, zu etwas so Besonderem, dass es jetzt im Soldiner Kiez als Kunstobjekt wieder aufgebaut wird?
Ryan Mendoza: Die schwarze Bürgerrechtsikone Rosa Parks hat von 1957 bis 1959, nachdem sie aus dem Süden nach Detroit geflohen ist, in diesem Haus gelebt. Ihre Nichte Rhea McCauley hat es für 500 Dollar von der Stadt zurückgekauft, da es abgerissen werden sollte, und es an das Kunstprojekt gespendet.

Besucher schauen in das berühmte Haus. Foto: Hensel

Besucher schauen in das berühmte Haus. Foto: Hensel

So wie das Haus auf die Reise gegangen ist, machen sich auch Millionen Menschen auf der Welt auf, weil sie sich ein besseres Leben erhoffen. Steht das Haus auch dafür?
Ryan Mendoza: Ich bin nicht sicher, ob sich die Flüchtlingthematik so problemlos auf das Haus übertragen lässt, da die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den USA einzigartig ist. Aber natürlich ist dieses Haus Mrs. Parks‘ Zufluchtsort gewesen, nachdem sie in Alabama Todesdrohungen erhalten hatte.

Ist der Soldiner Kiez der richtige Ort für Rosa Parks‘ Haus?
Ryan Mendoza: Es ist schon interessant, dass dieses Haus ausgerechnet in der Stadt Zuflucht gefunden hat, die nach dem Abriss einer Mauer erblüht ist. Nur ein paar hundert Meter entfernt von der Stelle an der Bornholmer Straße, wo die Mauer fiel! Und heute ist die Regierung der rechtmäßigen Heimat dieses Hauses gerade so stark damit beschäftigt, selbst eine Mauer zu errichten.

Ihr beide seid im Wedding heimisch geworden. Ist dies immer noch ein Ort, an dem es neu ankommende Menschen leichter haben, ein Zuhause zu finden?
Ryan Mendoza: Das ist schwer zu sagen. Als wir das Stück Land im Soldiner Kiez vor Jahren gekauft haben, wollte es niemand. Mittlerweile sind alle erstaunt, was für einen tollen Ort wir haben. Städte sind meistens am teuersten im Zentrum, und sterben demnach auch vom Zentrum nach außen hin aus, wie ein Baum. Um Leben und Menschlichkeit zu finden, muss man an den Rand der Städte gehen. In Paris habe ich in Ménilmontant, in Neapel für 15 Jahre im Stadtteil nella Sanità gelebt. Ein Ghetto, wenn man so will. Als wir in den Wedding gezogen sind, war er noch als einer der schlechteren Bezirke in Verruf. Dort bekommt man eher ein Gefühl von Heimat oder Zuhause.

Ryan Mendoza hat sein Grundstück in der Wriezener Straße 19 bereits mehrmals für die Öffentlichkeit geöffnet. Besucher durften das Haus sehen, es gab Filmvorführungen, Gespräche, Lesungen und auch Projekte mit Schulklassen. Über weitere Termine informiert der Künstler auf seiner Webseite www.ryan-mendoza.com.

Interview: Joachim Faust, Fotos: Sulamith Sallmann, Dominique Hensel

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