Ich bin Soldiner! (11)

Larissa. Foto: Jutta Gruber

Larissa. Foto: Jutta Gruber

Wer sind die Menschen, die im Soldiner Kiez wohnen? Leben sie gern hier und warum sind sie gerade in diesem Teil der Stadt? In dieser Serie geht es um solche Fragen, Nachbarn werden vorgestellt. Die Porträts unter dem Motto „Ich bin Soldiner!“ erscheinen im Kiezmagazin und sollen später in einer Ausstellung im öffentlichen Raum gezeigt werden.

Larissa: Vor vier Wochen fand ich im Soldiner Kiez ein nettes, geräumiges WG-Zimmer als neue Bleibe. Vorher hatte ich 16 Jahre lang eine 3-Zimmer-Altbauwohnung in Potsdam und davon ein Zimmer untervermietet. Aber im Zuge der Gentrifizierung hat meine Vermieterin das nicht weiter erlaubt und mich zur Kündigung genötigt. Die Mieterfluktuation hatte zugenommen, man kannte viele Nachbarn nicht mehr, und in den Kiez zogen immer mehr Leute, denen Statussymbole wichtiger sind als Nachhaltigkeit. Ein nettes Tauschtischchen vor einem unrenovierten Nachbarhaus verschwand, als dessen Bewohner verdrängt wurden und die Luxussanierung begann.

Ich wollte mich sowieso nach einer besser heizbaren Wohnung umsehen, aber als Freiberuflerin mit unregelmäßigem Einkommen scheint man in Potsdam und Berlin heute keine Chance mehr auf eine Mietwohnung zu haben. WG ist für mich eine gute Form des Zusammenlebens, denn ich war schon immer eher eine Einzelgängerin, bin aber dennoch ein soziales Wesen! Einen Markt mit regionalen Produkten scheint es hier im Stadtteil nicht zu geben, und Obstbäume, an denen jeder ernten darf, auch eine kostenlose Badestelle in Fahrraddistanz suche ich noch.

Aber mir gefällt, dass es viele Kinder gibt und viele am Tauschen statt Kaufen Interessierte. Noch wohler werde ich mich fühlen, wenn es klappt, dass ich unser kleines Hausgärtchen mitnutzen und, wie von meiner alten Wohnung gewohnt, bei schönem Wetter dort meine Wäsche trocknen darf. Früher hatten ja viele Mietshäuser gemeinschaftliche Wäscheleinen im Freien. Ich finde, das sollte es wieder viel öfter geben.

Interview und Foto: Jutta Gruber

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