An allen Ecken und Kanten

Andre Schmiele (links), Horst Schmiele mit Praktikantin Maren Wegener vor dem sozialen Zentrum des Vereins in der Wollankstraße. Im Vordergrung ist der Vereinswachhund Shiva zu sehen. Fotos: Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.

Andre Schmiele (links), Horst Schmiele mit Praktikantin Maren Wegener vor dem sozialen Zentrum des Vereins in der Wollankstraße. Im Vordergrung ist der Vereinswachhund Shiva zu sehen. Fotos: Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.

Maren Wegener war Praktikantin beim Verein Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V. (MHM). Im gedruckten Kiezmagazins Soldiner, Ausgabe Oktober 2016, schrieb sie über ihre Arbeitserfahrung im Verein.

Wenn man wie ich Sozial- und Kulturanthropologie und Politik studiert, dann will man immer irgendwie helfen beziehungsweise helfen lernen. Am besten, so denkt man, natürlich von den ganz Großen bei UNICEF, Brot für die Welt oder gleich direkt bei den Vereinten Nationen in Afrika oder Lateinamerika! Wo immer die hungrigsten Kinder, die korruptesten Politiker und die exotischsten Landschaften aufeinandertreffen, strömen Studenten in den Freiwilligendienst, in Auslandspraktika oder freiwillige ökologische Jahre und verschwinden für Monate, manchmal sogar Jahre aus der Stadt. Was aber passiert mit Kindern und älteren Menschen, die HIER Hilfe brauchen, in meiner, in unserer Stadt? Auch in Deutschland leben Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Auch sie benötigen Unterstützung, nicht nur finanziell, auch emotional – in Form von Beratung, Zuspruch oder einem freundlichen Lächeln am Tag.

Ich fragte mich: Welche Einrichtungen leisten genau diese Arbeit vor unserer Haustür? Als Weddinger Kind kam ich bei meiner Suche auf den Sozialverein „Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.“ (MHM). Ich kannte diesen bunten Containerbau, in dem der Verein arbeitet, bereits als Ort der Sitzungen für die lokale Flüchtlingsinitiative Wedding.hilft. Wer schon einmal da war, erinnert sich vielleicht an den ersten Eindruck, den man bekommt: Ein buntes, vollgepacktes Chaos aus Möbeln, Spendensäcken und vollen Bücherregalen! Alle Mitarbeiter sind aus Weddinger Holz geschnitzt und voll mit kantigem Berliner Humor.

Und jetzt gehöre also auch ich dazu, mittendrin, mit offizieller Bewerbungsmappe, Lebenslauf und zumindest dem Versuch, mit Jackett und netter Frisur halbwegs bürotauglich auszusehen… Ich glaube, mein Bewerbungsgespräch mit Horst (und seiner bezaubernden Hundedame Shiva) im Vereinsbüro, in dem sich Papiere stapeln, dauerte nicht länger als zehn Minuten. Ich hatte bisher eher andere Erfahrungen gemacht als hier, mich immer unterqualifiziert und klein gefühlt in Bewerbungsgesprächen. Doch da saß mir ein Mann gegenüber, der geradezu fröhlich überrascht schien, dass ich als fast fertige Studentin bei ihm arbeiten und dem Verein helfen wolle. Mein Lebenslauf spielte keine Rolle und nach kurzer Absprache und einer amüsant zynischen Diskussion übers Sozialsystem war die Sache geritzt.

Heute arbeite ich schon über einen Monat im Verein und meine Zeit hier verläuft ähnlich wie eben dieses Bewerbungsgespräch. Der Einstieg war chaotisch, ich brauchte den einen oder anderen Tag, um mich an den manchmal groben, aber in Berlin eben auch liebenswürdig gemeinten Umgangston zu gewöhnen und dann, ganz plötzlich, war ich drin. Ich helfe, wo ich kann, denn an allen Ecken und Kanten fehlt es an Arbeitskraft und auch an Geld. Und wie sind die Menschen hier? Sie nehmen die Situation mit Humor und machen einfach weiter. Sie holen und bringen Lebensmittel, sie sortieren Kleider, schleppen Möbel, beraten und streiten mit Sozial- und Arbeitsämtern, versorgen Kinder mit Schulmaterialien und sind ganz einfach da – meistens sogar mit einem Lächeln im Gesicht. Sie helfen, jeden Tag, direkt vor unserer Haustür!

„Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.“ gibt immer wieder Praktikanten und Praktikantinnen die Möglichkeit, sich in einem sozialen Arbeitsfeld auszuprobieren. Interessenten können sich an den Verein wenden.

Kontakt

Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.
Wollankstraße 58-60, 13359 Berlin
Telefon: (030) 35 12 39 10 Fax: (030) 62 20 34 32
E-Mail: buero@mhm-berlin.de
Internet: http://www.mhm-berlin.de

Spendenkonto: Berliner Sparkasse, IBAN:
DE44 1005 0000 6603 0013 04 BIC: BELADEBEXXX

Text: Maren Wegener, Foto: Menschen helfen Menschen in Berlin und Umgebung e.V.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Kiezprojekte, Kooperative abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s